Eigentlich suchen die Menschen mit einer Partnervermittlung keinen Weg in die Selbstständigkeit. Doch genau das ist eine Chance für Unternehmensgründer, denn wenn andere einen Partner suchen, gibt es Bedarf an einer Dienstleistung der Vermittlung oder Hilfe. Der Markt ist lukrativ: Rund 140 Millionen Euro Jahresumsatz werden 2011 allein für Singlebörsen im Internet erwartet. Hinzu kommen die Umsätze von klassischen Partnervermittlungen. Allerdings ist der Markt auch umkämpft und zum Einstieg sind Geld und langer Atem notwendig – oder eine Spezialisierung.
Das Szenario: Ehe und feste Bindungen werden mehr und mehr abgelöst von Beziehungswechseln, die sich nicht mehr auf die „Testphase“ der Jugend beschränken, sondern sich immer weiter in das Alter verlagern. Selbst Senioren beenden ihre Partnerschaften oder verlieren einen Partner durch Tod. Der Wunsch, das Leben nicht allein zu verbringen, gerät aber an eine Hürde, wenn es um das Suchen geht. Andere Gruppen wie zum Beispiel Landwirte, Ärzte oder ähnliche Menschen, haben aufgrund beruflicher Verpflichtungen kaum Zeit, selbst einen Partner zu finden.
Die Chance: Der Bedarf ist groß. Allein die Singlebörsen im Internet sollen acht Millionen Menschen benutzen bzw. schon benutzt haben. Wer sich mit einer Partnervermittlung selbstständig machen möchte, findet hier ein großes Feld von Möglichkeiten, mit einer zielgerichteten Spezialisierung ein Stück vom Umsatz abzubekommen.
So kann es gehen: Es gibt im Wesentlichen zwei Chancen, sich in diesen Markt zu begeben: eine Singlebörse im Internet oder eine klassische Partnervermittlung. Der Königsweg ist vermutlich eine Mischung. Empfehlenswert ist es, regional und klassisch zu starten. Denn ohne Kundenstamm im Internet eine Singlebörse zu starten, ist aussichtslos. Der Bedarf an einer persönlichen Betreuung über Telefon oder Gespräche ist insbesondere für ältere Menschen aber durchaus vorhanden.
Beim Start ist Durchhaltevermögen notwendig, denn eine Partnervermittlung funktioniert natürlich nur, wenn es eine gewisse Auswahl an Kandidaten für die Suchenden gibt. An dieser Stelle der kurze Verweis darauf, dass es Partnervermittlungen auch als Franchising gibt, womit ein Mindeststamm an Vermittlungswilligen gegeben ist. Allerdings sollte der Jungunternehmer selbst regional beginnen, seine Dienste zu bewerben und so nach und nach immer mehr Kunden zu generieren. Voraussetzung für die Tätigkeit ist Freude am Umgang mit Menschen, Fingerspitzengefühl, Diskretion, sozialpsychologisches Geschick, Überzeugungskraft, ein seriöses Auftreten und der Blick auf Wirtschaftlichkeit.
Das Problem: Die Startausstattung ist eher von geringer Bedeutung. Telefonberatung, Kandidatenmappen, rechtliche Absicherung bei einem Rechtsanwalt für Kundenverträge, ein kleines Besprechungszimmer – das alles sind eher kleine Hürden. Je nach persönlicher Situation ist dafür ggf. eine finanzielle Starthilfe notwendig.
Die Grundlage für das eigentliche Geschäft zu legen, ist dagegen schwer. Gelingt es, kann der Unternehmer aber richtig erfolgreich werden. „Wie komme ich an Kunden“ ist die Kardinalsfrage bei diesem Weg, sich selbstständig zu machen.
Die Lösung: Neben dem genannten Franchising bleibt der Weg, regional kräftig die Werbetrommel zu rühren. Das muss nicht auf Marketing beschränkt bleiben, denn auch Kooperationen mit Vereinen, der Kirchengemeinde oder Berufsverbänden im kleinen Rahmen sind erfolgversprechende Ansätze. Hier kommt es auf dem Jungunternehmer an, seine ganze Überzeugungskraft in die Waagschale zu werfen und kreative Ideen zu entwickeln.
Gerade bei einer in diesem Bereich notwendigen Spezialisierung ist es wichtig, ungewöhnliche Wege zu gehen und sich in die Lage der potenziellen Kunden hineinzuversetzen: Wo bewegen diese sich, welche Aktivitäten gehören zu ihrem Wochenplan, über welche sozialen Netzwerke verfügen sie? Dann gibt es einen Ansatzpunkt, dort auf das Angebot aufmerksam zu machen und Lust auf einen neuen Partner zu wecken.
Der Preis: Eine klassische Partnervermittlung ist anders als im Internet durchaus im Bereich eines mindestens dreistelligen Betrags. Es gibt hier aber keine Stundenlöhne und Honorare können bis zur Vermittlung auf sich warten lassen. Dennoch sind funktionierende Partnervermittlungen lukrativ.
Empfehlenswert ist es, zum Unternehmensstart Kennenlernangebote zu bewerben und den Preis in verschiedene Ebenen zu splitten. Die Grundvermittlung kann zum Beispiel einen Fixbetrag beinhalten. Für jeden gemachten Partnervorschlag kann dann ein Aufschlag verlangt werden und wenn die Partnervermittlung ein Treffen arrangiert, gibt es einen Bonus. Auch eine Erfolgsprämie ist denkbar.
Ein Problem ist der zu erwartende typische Männerüberschuss in der Kartei. Diesen kann man ausgleichen, indem für Frauen die Vermittlung günstiger oder gar kostenlos ist.
Investition: Zum Unternehmensstart sind ein Büro oder Arbeitszimmer in angenehmer Atmosphäre, ein paar Büromaterialien, Computer und ein Telefon wichtig. Darüber hinaus muss ein größerer Betrag für Marketingmaßnahmen veranschlagt werden. Ebenso ist es zwingend erforderlich, eine Rücklage zu haben, um die Startphase finanziell zu überstehen. Denn Partnervermittlung kostet Zeit und bis die ersten Honorare in ausreichender Höhe fließen, dauert es.
Fazit: Speziell bei einer ganz gezielten Spezialisierung gibt es eine gute Chance, in diesem lukrativen Markt Fuß zu fassen. Ohne gutes Konzept und Durchhaltevermögen wird es allerdings schwer. Gelingt es aber, ist ein ansehnliches Einkommen wahrscheinlich.

Michael Weber

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