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Franchising: zwischen Selbstständigkeit und Abhängigkeit

Von Michael August 4, 2011 Kommentare deaktiviert

Der Traum von der eigenen Selbstständigkeit kann mit Franchising schnell in die Realität umgesetzt werden. Es ist lediglich etwas Startkapital und Mut notwendig, um den „Sprung“ ins kalte Wasser zu wagen. Wobei das gewählte Franchise-Angebot die „Wassertemperatur“ mehr oder weniger stark ansteigen lässt. Denn ein Franchise Konzept bedeutet auch, dass viele Dinge bereits zum Start funktionieren.

Franchise Selbstständig oder AbhängigkeitFranchising – das heißt, mit einer starken Marke und einem bereits erprobten Konzept in den Markt einzutreten. Die Bedingungen sind geradezu ideal. Es gibt klar umrissene Dienstleistungen oder Waren im Angebot, einen starken Partner im Rücken, und Vorgaben zu Teilen der Unternehmensausstattung und der Corporate Identity. Das alles macht den Start sehr leicht. Aber hier lauert auch ein mögliches Problem. Denn die klare Struktur durch das Franchising schränkt auch ein.

Selbstständigkeit heißt normalerweise Eigenverantwortung, Selbstbestimmtheit und unternehmerische Freiheit. Wer sich für eines der vielen Franchise-Angebote entscheidet, wird sich aber in einem erheblichen Maß in das bestehende Konzept einfügen müssen. Insbesondere die unternehmerische Freiheit ist zum Teil stark beschnitten. Kurz gesagt: So selbstständig ist der Unternehmensgründer gar nicht. Der Unterschied zu einer abhängigen Beschäftigung als Angestellter besteht in erster Linie in der Eigenverantwortung. Andere Dinge sind klar geregelt. So fußen zum Beispiel viele Systeme des Franchisings darauf, dass Ladenausstattung, Warenangebote und -lieferanten sowie Mitarbeiterkleidung exakt den Vorgaben entsprechen. Selbst Preise werden zum Teil nicht nur empfohlen, sondern „von oben“ festgesetzt.

Für die einen Unternehmer sind solche Rahmenbedingungen im Franchising ein großer Vorteil, weil sie selbst keine Konzepte mehr entwickeln müssen. Für sie geht es darum, mit Fleiß die Investition (Lizenzgebühr für das Franchise-Angebot und Gründungskosten) möglichst schnell wieder hereinzuholen. Andere Unternehmer fühlen sich durch die klaren und strikten Vorgaben eingeengt und in ihrem Drang behindert, selbst über möglichst viele Details entscheiden zu können und zu wollen.

Franchisenehmer müssen sich also in das bestehen de System integrieren. Darüber hinaus müssen sie sich aber auch als Teil des gesamten Konzeptes verstehen. Sie repräsentieren nach außen in erster Linie das Franchising-Unternehmen, nicht unbedingt die eigene Zweigstelle. Dazu ist letztlich ein großes Maß an Teamfähigkeit Voraussetzung, denn die Integration geht bei der der Zusammenarbeit mit den Franchisegebern weiter und reicht bis zu teambildenden Schulungen.

Wer von Anfang an weiß, dass er das nicht kann oder will, sollte sich gut überlegen, sein Unternehmen mit einem Franchising zu starten. Denn die Abhängigkeit vom System ist ein zum Teil deutlicher Einschnitt in die Freiheit. Für Menschen, die sich gerne auf ein funktionierendes System stützen möchten, ist Franchising mit den vielen Varianten, aber klaren Strukturen genau richtig.

Kheng Guan Toh – Fotolia.com

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